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Versichert – 3. Hommage an Michael Franks Skulpturen

Von Norman Liebold geschrieben am: 20.04.2010 unter Ansichten eines Aktmodells, Auszug, Künstlergeschichten

Aus: Liebold, Norman: Versichert (2010)


Weitere Auszüge:

  • Versichert – 1. Der Anfang
  • Versichert – 2. Lisa Räubertochter
  • Versichert – 3. Hommage an Michael Franks Skulpturen

  • Erzählte ich, wie wunderbar Beorn Holz nicht einfach bearbeitete, sondern es mit ihm tanzend zu neuem Leben erweckte? Erzählte ich, wie er Glas, Metall und Gewachsenes zu neuen Einheiten verschmolz, nein, zu einem Liebesspiel der Elemente einlud? Und dass aus dieser Gewachsenheit ein Gefühl heraus spricht, das von Liebe und Schönheit singt? Und dass trotz der zum Teil abstrakten Formen, der ungegenständlichen Rundungen, Bögen, Wülste, der sich zum Licht hinauf windenden Bewegungen immer auch etwas Erkennbares liegt, manchmal ganz gegenständlich ein wunderbar gearbeiteter Mensch, ein Antlitz, ein Frauenleib? Und dass immer auch ein Gedanke, eine Idee aus diesen wundervoll gemachten und einfach schönen Bildwerken heraus tritt und zum Betrachter spricht? Kein intellektuell-abstraktes Gefasel, kein losgelöstes Umsichselberkreisen des Werkes an sich, kein aufgeblasener Stundenvortrag über Kontexte und Selbstverwirklichungsgekünsteltheiten, und auch kein Herumgejammer von Verarbeitungen traumatisch-dramatischer Künstlerseelenbefindlichkeiten. Ja, noch nicht einmal große hölzerne Anklagefinger gegen Politik und globale Missstände. Eine fassbare, klare Idee, ein Gedanke voll Liebe zu Welt und Mensch und Leben, und aus dieser unbändigen, schöpferischen Hingabe etwas wie ein Licht, eine Hoffnung, ein Erkennen.

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    Versichert – 2. Lisa Räubertochter

    Von Norman Liebold geschrieben am: 20.04.2010 unter Ansichten eines Aktmodells, Auszug, Künstlergeschichten

    Aus: Liebold, Norman: Versichert (2010)


    Weitere Auszüge:
  • Versichert – 1. Der Anfang
  • Versichert – 2. Lisa Räubertochter
  • Versichert – 3. Hommage an Michael Franks Skulpturen

  • Was immer Beorn so quälte, dass er in diese seltsame Stimmung geraten war, ein ganz eigentümliches Bild riss ihn heraus und verwandelte ihn. Gleich am Ortseingang des Häuserhaufens, der sich Rauenhahn nannte, stand eine Gestalt am Straßenrand. Eine einsame Laterne schuf im wilden Wirbel der Schneeflocken eine Wolke warmen, gelben Lichts, und die Gestalt darin, eng in einen Mantel gewickelt, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, mit Schnee bepudert, wirkte wie aus einer anderen Welt, ein Traumgesicht vielleicht. Ich musste an Rotkäppchen denken, weiß der Teufel warum, vielleicht, weil diese Figur vom einzigen Lichtfleck aus der dunkelblauen, schneedurchwirbelten Dämmerung heraus gemalt war und an all jene instinktiven, menschlichen Erfahrung gemahnte, die wir Heutigen nur noch aus Erzählungen und Filmen kennen. Ganz allein in schneidend kaltem Schneesturm im Nirgendwo zu stehen und durch die Nacht zu müssen, um in die Sicherheit und die Wärme eines Heimes zu kommen.

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    Versichert – 1. Der Anfang

    Von Norman Liebold geschrieben am: 20.04.2010 unter Ansichten eines Aktmodells, Auszug, Künstlergeschichten

    Aus: Liebold, Norman: Versichert (2010)


    Weitere Auszüge:
  • Versichert – 1. Der Anfang
  • Versichert – 2. Lisa Räubertochter
  • Versichert – 3. Hommage an Michael Franks Skulpturen


  • »Fünfzehn Zentimeter!« Beorn gab ein tiefes, brummendes Lachen von sich. Er stand am Herd, unter dem Wasserkessel glühte bläulich die Gasflamme, und das Wasser gab schon ein leises Summen von sich. Beorns Blick ging zum Fenster hinaus. Schneeflocken wirbelten, der Wind fauchte in den Ritzen. Draußen versank alles in Weiß, der Schnee fiel so dicht, dass die sonderbar verwachsenen Apfelbäume auf dem Hang vor uns als bloße Schemen zu erkennen waren. »Fünfzehn Zentimeter, und eure ganze Zivilisation fällt in sich zusammen wie ein Kartenhaus bei einem Nieser!«

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    Vampyriade: Rollenspiel

    Von Norman Liebold geschrieben am: 30.12.2008 unter Auszug, Roman, Vampyriade

    Auszug aus:
    Liebold, Norman: Vampyriade. Editio Codicis Wolffengangiensis. Siegburg 2003. (Text von 1999)
    Aus dem 1. Kapitel

    Der ich dies schreibe, sitze in altem Dachgestühle fern allem, was ich je gekannt.

    Eine fremde Stadt ist dies, mit unbekannten Gesichtern in der Nacht, die mich fürchten machen. Es sind so viele, und keines kenne ich. Keines will mir die Geschichten erzählen, die unter diesen Mienen vergraben sind. Keines will mir sagen, ob da nicht Geschichten sind, so ungeheuerlich und daimonenvoll wie die, die ich aufzuschreiben mich niedersetzte

    Warum ich sie schreibe?

    Vielleicht, weil ich nicht einfach nur dahocken kann in diesem Gebälk, in das ich mich verkrochen habe, um all die Stunden nur gegen die Unterseite der Schindeln zu starren.

    So mag das Schreiben dieser meiner Geschichte einfach der Ablenkung dienen, um nicht gänzlich verrückt zu werden im Dahocken, die Augen Verdrehen und dem Warten.

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    Vampyriade: Erster Blutsbund

    Von Norman Liebold geschrieben am: 30.12.2008 unter Auszug, Roman, Vampyriade

    Auszug aus:
    Liebold, Norman: Vampyriade. Editio Codicis Wolffengangiensis. Siegburg 2003. (Text von 1999)
    Aus dem 3. Kapitel

    „Aber mein lieber Herr Nachtigall!” rief Manuela, langsam und graziös auf mich zu schreitend. Sie wiegte sich in den Hüften und hatte ihrer Miene etwas Verführerisches gegeben, nicht aber ohne sich selbst und das Spiel zu parodieren.

    „Warum hockt Ihr denn so ganz allein hier draußen? Es ist doch gar schröcklich kalt!” Sie überbetonte die Silben, rollte das „r” und schnitt Grimassen dazu, dass ich nicht anders konnte, als es köstlich zu finden. Es war sehr komisch, denn sie traf mit dieser Satire genau das Gekünstelte des Spiels. Mein Groll gegen sie war wie fort geblasen.

    „Ei, da wollen wir Euch doch ein wenig Gesellschaft leisten, wenn Ihr uns Eure Gesellschaft drinnen nicht vergönnet. Wahrlich, wir fühlten uns sehr einsam dort!”

    „Du schienst Dich nicht besonders einsam zu fühlen!”, sagte ich und fühlte einen Stich bei der Erinnerung an was ich hatte sehen müssen.

    „Aber Herr Nachtigall! Wir Vampyre haben zuweilen auch, was die Menschen Hunger nennen, und ich habe mich ein wenig satt gesaugt.” Sie sagte das mit einem seltsamen Lächeln, und in ihren Augen lag etwas Forschendes.

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    Navigator, Kapitel 1

    Von Norman Liebold geschrieben am: 05.12.2008 unter Auszug, Leseproben, Navigator, Roman, Sience-Fiction

    Auszug aus: Liebold, Norman: Navigator. Dystopische Novelle. Königswinter 2008.

    Cover Navigator

    Auch wenn dieser Tag nicht nur Kevins Leben grundlegend ändern sollte, sondern seine ganze Welt aus sämtlichen Fugen trieb – dieser Mittwoch Morgen begann nicht anders als die unzähligen Mittwoch Morgen der letzten zehn Jahre, die er bei der European Bank arbeitete. Um sieben Uhr zogen sich mit ratterndem Geräusch die Rollläden seines Schlafzimmers empor und von der Küche her war das unverkennbare Geräusch der Espresso-Maschine zu hören, die von selbst begann, Kaffee-Bohnen zu malen.

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    Navigator, Hörproben

    Von Norman Liebold geschrieben am: 05.12.2008 unter Auszug, Navigator, Roman, Sience-Fiction, Spezielles

    Gelesene Auszüge aus: Liebold, Norman: Navigator. Dystopische Novelle. Königswinter 2008.

    Cover NavigatorDie folgenden Aufnahmen entstanden bei den Proben zur Navigator-Lesung. Sie wurden mit einem auf den Küchentisch gestellten H2 aufgenommen. Die Versionen sind noch nicht ausgereift, es handelt sich um spontane Mitschnitte während des Entwickelns und Probens.
    Maggelan-Strasse (Intermezzo zwischen 1. und 2. Kapitel)

    Der Blitzschlag

    Die Schlüssel-Szene mit Kitsch

    Der Auto-Blues

    Desorientation

    Angriff der Hartz-IV-er in E-Moll



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    Navigator, aus dem 6. Kapitel

    Von Norman Liebold geschrieben am: 05.12.2008 unter Auszug, Navigator, Roman, Sience-Fiction

    Auszug aus: Liebold, Norman: Navigator. Dystopische Novelle. Königswinter 2008. aus dem 6. Kapitel: S. 54-63

    Cover Navigator

    Es war nicht sehr geräumig im Inneren des Fasses, aber es war warm und in einer Weise eingerichtet, dass Kevin sich sofort wohl fühlte. Eng und bis unter die Rundung des Daches mit allen möglichen und unmöglichen Dingen vollgestopft. Auf einer Seite mit einem schweren Polstersessel davor der Ofen, hinter dessen breiter Glasscheibe das Feuer rotorange züngelte. Bündel mit getrockneten Kräutern hingen von oben herab, und überall standen, lagen und stapelten sich Bücher. In Regalen, die der Rundung der Fassdauben folgten, auf einem hölzernen Tisch unter dem Fenster, aufgeschlagen auf der Lehne des Sessels. Kein eBook-Reader weit und breit, richtige Bücher. Kevins Finger strichen fast zärtlich über den brüchigen Lederrücken eines dicken Buches, das neben ihm auf einem Bord zwischen staubigen Weinflaschen stand. Don Quijote.

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    Navigator, Kapitel 4

    Von Norman Liebold geschrieben am: 05.12.2008 unter Auszug, Navigator, Roman, Sience-Fiction

    Auszug aus: Liebold, Norman: Navigator. Dystopische Novelle. Königswinter 2008. 4. Kapitel: S. 34-41

    Cover Navigator

    Waren die Häuser und Straßen an dieser unsichtbaren Grenze, an dieser Nahtstelle virtueller Wirklichkeit hier und da in einem Zustand gewesen, dem man das bewohnt werden ansah, dass In-Gebrauch-Sein, so begannen sie schon wenige hundert Meter jenseits davon, heruntergekommen zu wirken. Die Straße war ein Flickenteppich, Kopfsteinpflaster schaute unter dem zerrissenen Asphalt hervor, Schlaglöcher waren mit Ziegel-Bruchstücken aufgefüllt.

    Das heimelige Gefühl, dass Kevin beim Anblick der spielenden Kinder empfunden hatte, bei den Wäschestücken und all den kleinen Details, die zeigten, dass hier gelebt wurde und das Leben Spuren hinterließ, dieses heimelige Gefühl wich mehr und mehr etwas, das sich wie eine kalte Hand in seine Gedärmen grub.

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    Krimifrass – 10. Kapitel

    Von Norman Liebold geschrieben am: 22.10.2008 unter Auszug, Krimifrass, Kriminalistisches, Roman


    Auszug aus:
    Liebold, Norman: Krimifrass. Ein Siebengebirgskrimi. Königswinter 2008. S. 58-72
    ISBN-13: 978-3-937330-28-0

    Es war etwa gegen elf Uhr, als er von seinen schon recht weinschweren Gedankengängen abgelenkt wurde. Die Geräuschkulisse hatte sich geändert. Geschrei, Gelächter und lautes Gerede hatte es während des Spieles immer wieder gegeben, das war es nicht, im Gegenteil: es war sogar weniger lebhaft geworden. Was Christian sich im Sessel herum drehen und über die Lehne schauen ließ, lag mehr zwischen den Geräuschen. Etwas Verunsichertes zitterte da mit.

    Das Bild in der Großen Halle hatte sich nicht in auffälliger Weise verändert – ein Teil der Leute stand in Grüppchen umher und unterhielt sich, ein anderer hatte sich um den riesigen, runden Tisch gesetzt, der hinten an den Fenstern stand, ein Relikt aus der Zeit, als der Margarethenhof noch ein Stützpunkt der FDP gewesen war.

    Als Christian Marios Miene sah, erhob er sich und ging hinüber. Wenn sich in diesem leutseligen Gesicht eine solche Besorgtheit spiegelte, musste etwas ganz und gar nicht in Ordnung sein.

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