Dieses 2001 enstandene absurde Stück ist eine Abrechnungen mit den Figuren des Nâhtegal-Zyklus. Oder eigentlich mehr eine Abrechnung dieser Figuren mit mir.
Das war notwendig, denn sie hatten ein sehr unheimliches Eigenleben entwickelt und waren kaum noch zu kontrollieren. ![]()
Das Stück wurde nur einmal aufgeführt, wobei Robert Christott den Animus miemte und Vera Walterscheid die Anima.
Personae: Der Auctor. Animus. Anima.
Loci: Eine Bühne.
Die Szene wird mit normalem Raumlicht gespielt. In der Mitte der Bühne steht der Spiegel, rechts und links davon, sich gegenüber, Auctor und Animus. Der Auctor starrt in den Spiegel, zieht Grimassen und vollführt Verrenkungen, die vom Animus verzerrt, persifliert und leicht verzögert nachgeäfft werden.
A u c t o r Verhöhnst Du mich? Sprich, Fratze, ich hab Dich was gefragt! Wartet. Verhöhnst Du mich? Wartet Die Welt, sie spottet Meiner! Welt, ich hasse Dich!
Seit Jahr und Tag betracht ich Dich, seit Jahr und Tag versuche ich, mir einen Reim auf Dich zu machen, und Du? – Du spottest Meiner! Mir ist, als drehte ich beständig mich mal rechts, mal links herum im Zirkeltanze, und alles will immer und immer wiederkehren! Ich versteh es nicht, versteh es nicht!
Was bist Du, Welt? Zeig Dich mir! Und warum ist seit ein’ger Zeit mir so seltsam zumut, schau ich Dich an? Mir ist so eng, so stumpf, als beschaut ich immer wieder nur ein und das Selbe immerdar! Als hätt ich seit Jahr und Tag mich nicht bewegt und sei immer nur auf der Stelle für mich hin getreten! Sprich, Welt, sprich! Zieht ein Messer gegen sich selbst. Oder stirb!
A n i m u s Du willst nicht, daß ich spreche!
A u c t o r Starrt erstaunt Animus an, unsicher. Doch, ich bitte Dich: Sprich zu mir!
A n i m u s Du willst’s nicht hören, und sprech ich erst, gibt’s kein Zurück!
A u c t o r Ich bitte Dich, fleh’ Dich an: Sprich! Früher einst warst neu mir Du, da entdeckt stets ich Neues, jetzt jedoch, jetzt starr ich nur, und immer dieselben Fratzen starrn zurück – ich will nicht mehr! Sieh dies Messer hier an meinem Puls! Sprich, sprich oder aber stirb!
A n i m u sIch bin nicht die Welt. Ich bin nichts als Du. Du schaust in mich, glaubst die Welt zu sehn und siehst doch nichts als Dich! Ich bin keine Tür, bin kein Tor, bin auch kein Fenster nicht: Ich bin – und war’s immer schon – nichts als der Spiegel Deiner Selbst!
A u c t o r Spiegel? Du? Nicht die Welt? Hab ich denn die letzten Jahre immer nur in meine eigne Fratze hinein gestarrt?
Und doch! Ist’s dies vielleicht, wovon das Gefühl in mir sprechen will? Nur ich selbst? Nichts als ich? Wo ist die Welt, Spiegel, wo ist die Welt denn dann?
A n i m u s Hinter mir, wo sonst? Zerschlage mich, geh hindurch und laß endlich mir und Dir Frieden angedeih’n!
A u c t o r Ich fürchte mich! Wie kann das sein?
A n i m u sDas frag Dich selbst! Doch zumindest hast Du’s bemerkt – das ist mehr, als viele von sich sagen können! Faß Dir ein Herz, steck das Messer fort und zerschlage mich, fang an zu schaun!
A u c t o r Starrt, zieht Grimassen, verrenkt sich, als wolle er erproben, ob es wirklich ein Spiegel ist. Animus äfft ihn nach, verzögert und übertrieben mit einigen eigenen Aktionen.
Gut! Soll es sein!
Er zerschlägt den Spiegel. Animus steht nach wie vor da, äfft aber nicht mehr nach, sondern steht ruhig Dieselbe Fratz! Nichts ist anders, will mir scheinen.
A n i m u s Tritt durch den Spiegel und auf den Auctor zu, der erschrocken zurückweicht.
Die Archetypen des Nebelweltenzyklusses treten abwechselnd auf, die Männlichen durch den Animus, die Weiblichen durch Anima verkörpert, so daß sich an den Abgang des Einen der Auftritt des Andern nahtlos anschließen kann. Der Auctor wird regelrecht bedrängt und krümmt sich immer mehr zusammen. Alle Archetypen treten durch den zerstörten Spiegel auf und gehen hinter dem Auctor ab, ihm zum Abschied durch eine Geste einen Teil ihrer Selbst schenkend.
A n i m u s Zum Publikum. Oh, wie schön! Ich sehe, wir sind nicht allein! Das freut mich sehr, denn so kann der Spiegelbrecher im Nachhinein nicht behaupten, dies hier sei nicht gescheh’n! Wohlan denn: Wertes Publikum, ich berufe Sie zu Zeugen!
Er verwandelt sich, verändert Gestik und Gebaren, verstellt die Stimme, ist sehr melodramatisch.
A n i m u s Gestatten, ich bin der Weltenflüchter, bin des Wolfes Vater und auch der vom Wechselbalg, ich kehr der Welt den Rücken, weil ich sie nicht ertragen kann und fluch dabei die ganze Zeit auf sie. Warum, ist einfach zu verstehn, denn der Fuchs, heißt’s, hat schon von je die Trauben sauer genannt, die er nicht kriegen konnt, und drum fluch und geifer ich die ganze Zeit! Ich red von wahren Werten, red von Einsamkeit, und einsam bin wahrlich ich, bin ein Kauz, halt mich für was Besseres, bin der einzig Wahre in der lautverlognen Masse des Gewöhnlichen! Dazu zumindest hat der da mich gemacht, aus sich selbst mich destillierend als Gesöff, das er jetzt selber schlucken soll, ich sage Euch, es ist gallebitter! Ich bin ein Teil von Dir, wie Wolf und Wechselbalg, doch anstatt uns destilliert auf Spiegel hinzuspritzen und ewig dann davor zu stehn und’s zu betrachten, sollst ganz Du endlich sein und mit ganzen Augen in die Welt schaun und sie begreifen, nicht nur Dich selbst!
Während Animus abgeht tritt Anima auf, Auf- und Abgang sind eine Bewegung. Sie trägt ein weißes Gewand, ist baren Fußes und bewegt sich elfenhaft. Ihre Stimme spricht getragen. Sie verkörpert die Unnahbar Schöne.
A n i m a Schön bin ich, man kann mich nicht verstehn, ich schwebe im leeren Raum und bin so rein, daß man mich entweihte, rührte man mich an. Ich bin, wonach die Sehnsucht strebt und sich dran hängend neue Kräfte schöpft. Mit Gedanken, Kunst und schönen Liedern tritt man an mich heran, alles andere ist zu niedrig. Ich gebe Trost aus der Ferne und wegen mir greift man nach den Sternen und erreicht sie vielleicht sogar, doch berühren kann man mich nicht. Denn vielleicht merkt man in meinen Armen, daß ich auch nur eine Frau bin, ein Mädchen, das träumt und wünscht und lebt wie andre auch – und so wäre ich nicht mehr hehr und schön und voller Tiefe, der Träumer zerbrochen dann und ohne Gott.
A u c t o rDu hier? Hast Du Dich zuletzt meiner noch erbarmt, kommst, Holde, Tiefe, Liebevolle, mich zu retten? Ich wußt es immer schon: Du bist die Fee, die Elfe, und in Dir wohnt die Erlösung, die Tiefe allen Seins, Du nimmst mich bei der Hand und führst hinter die Nebel mich!
A n i m aEs gab und gibt nichts hinter irgendwelchen Nebeln, es gab den Spiegel nur, und der ist zerbrochen nun. Du nanntest Mond mich, Rose, Schwalbe, Elfe und anders noch, doch mich, die ich dahinter stand, sahst Du nie, wolltest immer nur in Deinem Fühlen schwelgen! Schufst Du aus Frauen mich, denen Du nicht nahen konntest, oder nahmst Du mich aus Dir und stopftest mich in sie hinein? Wie es auch immer war, es hängt zusammen und ist, was man selbstbetrügerisch nennt und Du verachtest: Mich machtest Du zu dem, was Du für Dein Fühlen brauchtest!
A u c t o rDas ist nicht wahr, glaube mir, nie habe ich geliebt wie bei Dir, ich schwärmte und schmolz, mein Herz war ein Glockenspiel, die schönsten Märchen erfand ich für Dich, die schönsten Melodien, einsam saß ich, dacht die Flöte spielend oft an Dich und wenn ich was Schönes sah, warst Du darin! Hör doch das Flötenspiel, das ich für Dich erfand!
>Spielt Flöte, süß-wehmütige Weise.
A n i m a Du hast mich nie gefragt, hast immer nur geschaut mit himmelwärts verdrehten Augen. Du hast mich nie berührt, mich nie geküßt, ich durft nur immer außen sein und einsam schweben. Du hast Dir darin gefallen, weltschmerzleidend zu singen, daß ich unnahbar sei, was Du auch tust. Dabei lag alles doch in Dir, ich war Frau wie andre Frauen auch, und sogar mehr als Eine bin ich gewesen. Allein, Du wolltest nur in süßer Wehmut baden! Hättest Du mich wenigstens dort gelassen, woher ich kam, tief vergraben in Deiner Brust! Aber nein, Du mußtest mich in andre Brüste tragen, die dann angebetet nach Deinen Küssen gierten und ungeküßt verdarben. Ich gehe dahin, wo ich sicher bin, geh zurück in Dich und verschmelz mit Dir, und Du kannst Dich nicht dagegen wehren! In Deiner Brust will ich wieder leben, will aus Deinen Augen heraus die Schönheit sehen, anstatt ausgesperrt mit leeren Augen angeschaut zu werden! Geht auf den Auctor zu und küßt ihn sanft auf die Stirn, um dann ab zu gehen.
A u c t o r Die Welt ist so verändert nun, mit einem zarten Zauber scheint sie durchwebt, klingt und schwingt in Melodien, die ich dereinst für die Unnahbar Schöne ausgedacht! Ist die Welt so schön? Waren meine Augen so verklebt?
Animus springt, während der Auctor verträumt lächelnd seinen letzten Monolog spricht, heran, packt ihn beim letzten Wort und spricht sehr laut. Er verkörpert den Wolf.
A n i m u s Wenn sie verklebt sein sollten, dann will ich die Lider packen und sie Dir aufreißen! Schau her, ich bin Dein Wolf! Ach so einsam, verlassen, zusammengeschossen meine Brüder, einsam und fremd in dieser Welt, hehres Geschöpf, Sinnbild für Natur und starke Seelen, Schwärmer auch, kurzum, ein Weltenflüchter nur!
Ich bin kein Freund der Langen Worte, Weltflüchter hat alles schon gesagt: Ich bin sein Sohn. Der Weltflüchter dacht an sich als Wolf und fand so sich selber ein schönes Wesen! Schau mich doch an, wenn ich meine Schnauze aus den Zeilen recke! Ich bin stark, einsam und weiß die tiefre Wahrheit. Ich bin der Weltenwanderer, der in dieser Welt wolfsgestaltig ist und sieht. Ich bin dem einsam Wissenden Symbol und Führer, beschütze ihn oder rette gar die Welt! Ich bin der Stolz, bin der Trotz gegen die Falsche Masse, bin Einzelgänger, bin Held, und Du, Schreiberling, siehst Dich selbst als Wolf, gib’s zu. Wo ich auftrete, mein’ ich Dich, und Du fühlst Dich dann stolz, einsam und erfüllt von der Weisheit, die Du in meinen Rachen legst! Geh mir! Wenn Wolf Du sein willst, dann leb den Wolf, aber laß mich dabei aus dem Spiel! Die Chance will ich Dir geben, komm her, ich kriech in Dich zurück, dann kannst Du selber Wolf zu sein versuchen!
Anima tritt auf, den Wolf ablösend. Sie ist die schwarze Königin.
A n i m aIch bin nicht unnahbar schön, bin zuweilen auch ganz furchtbar häßlich, und in mir sind vereint und nebeneinander der beste Freund, die Geliebte und der Daimon auch! In einem Moment bin weise ich und zärtlich, beschütze, geb Geborgenheit, vertreibe Zweifel, schenke Erkenntnisse und wilde Leidenschaft aus meinem Schoß. Im nächsten schon bin ich verwandelt, beiße, kratze, intrigiere, schleich von hinten an, führ im Strumpfband ein vergiftet Dolch. Ich bin keine Fee, doch mich kann man berühren!
A u c t o r Wenn alles andere zerfiel, warst Du noch da, nahmst mich in die Arme und küßtest mich und umschlangest mich mit Deinen runden Armen! Viel Schmerz auch, ja, hattest Du für mich, doch ging ich nicht immer daraus hervor wie Phönix aus der Asche? Laß mich nicht allein! Du warst immer doch die Letzte, die zu mir stehend bei mir blieb!
A n i m a Du verwechselst mich mit einer jener, aus denen Du mich zusammenklaubtest! Ich bin Figur, nichts mehr, Archetypus noch vielleicht, bin die dunkle Königin. Ich hab nur zwei Seiten, und will wieder alle tausend haben, will wieder Elfe werden, Wolf auch, Wechselbalg, drum folge ich den Anderen, fülle das Loch, das brennend in Dir auf mich wartet, komm, ein letzter Kuß, dann such draußen mich, wenn Du mich nicht missen willst!
Animus als Wechselbalg.
A n i m u sIn fremder Welt geboren, ein Hinter-Nebler, ward ich auf eine Menschenschwell gelegt. Ich bin aus dem Alten Volk, und meine Augen scheinen schwarzen Spiegeln gleich, denn wie Luft im Wasser bin ich fremd für Euch, die Ihr Nebelwelt nicht kennt. Ich such beständig nach etwas, das ich nicht kenne, in mir drinnen brennt eine Sehnsucht unstillbar heiß, es ist die Sehnsucht nach Nebelwelt, wo keine Lüge ist und das Leben noch Leben heißt, ich bin ein Wechselbalg und will nach haus, bin fremd hier, und keiner versteht mein Fühl’n! Ich bin ein Sohn des Weltflüchters, bin des Wolfes Bruder, wie er erklär ich ihm, warum er so seltsam ist, bin Rechtfertigung, Salbe für die Wunden des Einsam-Seins, bin Feuerchen aus Gedankenspiel, daran er sich frierend die Menschenhände wärmt. Im Anderssein, Bessersein, liegt so mancher Trost, und ach, mein Schicksal ist so schön zum Drin-Sühlen, Weltschmerz-wühlend liegt er im Schlamm des Leidens und befriedigt sich dabei genüßlich selbst!
Gruß Euch, heut seht Ihr keine Balladen, die er lang und breit auf sich selbst gedichtet hat! Heute seht Ihr den Wechselbalg: Ich ward tatsächlich ausgesetzt und bin fremd hier, denn aus ihm komme ich, er warf hinter den Spiegel mich, und nun still meine Sehnsucht nach zuhause ich und kriech in ihn zurück, mag doch der Wechselbalg, wenn es ihn gibt, aus ihm schauend die Nebel suchen, anstatt sein Spiegelbild schauend auf der Stell zu treten!
Anima tritt am Spiegel vorbei, tritt zum Auctor, der verkrümmt am Boden kauert, schaut ihn an und spricht leise. Sie ist die Eröserin.
A n i m a Begreifst Du es langsam, beginnst Du zu verstehn? Man will Dir nichts Böses, man will Dich heilen von Dir selbst, denn ein unendlicher Born und zutiefst zerrissen sprudelst Du, umgibst Dich mit Deiner eignen Welt und merkst nicht mehr, daß Du nur Dich anstarrst – Du stehst vorm Spiegel, starrst, und glaubst umherzugehn!
A u c t o rWer bist Du, warum speist Du mich nicht an wie all die andern?
A n i m aKennst Du mich denn nicht mehr? Ich bin wie die anderen aus Dir, und bin’s trotzdem nicht! Ich bin, was Dir ahnt seit längerem, bin Du und doch nicht Du, bin geschaffen und bin dennoch selbst, bin was als Geschaffenes begann und immer mehr es selber wird, bin, was Dich berührt und Dich betrachten läßt, und was niemals Du zum Spiegel machen kannst, bin wirklich und werd wirklicher mit jedem Augenblick, bin kleines Licht in der Finsternis, bin was Du “`Erlöserin”‘ genannt und gesucht im Spiegelland, bin Elfe, schwarze Königin, bin alles, weil ich lebendig bin und mich wehre, Spiegelbild zu sein! Bin, was Rosalinde hieß und Endora, Elfe auch, bin’s dennoch nicht, kurz, ich bin ein Mensch!
A u c t o r Wirst Du mich bei der Hand nehmen nach Nebelwelt?
A n i m aDie Hand wohl nehme ich, doch Spiegelland ist nicht mein Ziel! Hast Du immer noch nicht begriffen? Ganz Nebelwelt schickt Dir seine Boten, hat Nebelwelt Dir nicht geklagt, daß Du lang nicht mehr dort gewesen? Nebelwelt ist Spiegelland geworden, Du hast’s verzaubert zu kaltem Spiegelglas. Als seine Schönheit Du entdecktest, wolltest Du sie erhalten und beschützen. Endlich hast Du dann gemerkt: Schön zwar, doch ohne Leben, eingefroren und erstorben ward’s – und zerschlugst begreifend den Spiegel wieder!
A u c t o r Ich begreife nicht!
Animus als Toter Barde.
A n i m u sDu bist den Kreis gegangen, der niemals Kreis gewesen, und am Ende mußt Du Dich selbst zerschlagen – Du bist ein Schmetterling, der, Raupe noch, sich selbst einspinnen und ganz auflösen muß, um dann, den Kokon sprengend mit noch schwachen Flügeln in die Sonne des Frühjahrs hinaufzusteigen! Du warst die Raupe im Kokon, zerträumtest Dich zu Brei, damit er, aufgelöst und zerflossen, zu Neuem werden konnt, und nun, nun hörtest Du den Frühling draußen, lausch! Und folge ihm!
A u c t o r Wer bist Du?
A n i m u sBekannt als toter Barde starb ich tausendmal, ich habe nie gelebt, denn schon in jenem Augenblick da ich Spiegellands falsche Sonn erblickte war ich tot, verfaulte und konnte nicht mehr singen. Ich bin verkehrt herum, Du gebarst mich als längst gestorben, damit ich ins Leben zurückkriechend Dich wiederfinde! Einen weiten Kreis bist Du gegangen, ich war stets bei Dir und suchte nach einem Eingang in Dein Herz. Als Du Raube Dich einspannst, gebarst Du mich, zersetztest Dich selber und schwammst in Dir selbst, doch nun, da das Leben wieder naht, ist Dein Herz wieder offen dar für mich!
A n i m aBegreifst Du nun? Der Spiegel ist gleichsam nur der Kokon im Metaphernreigen! Nimm das letzte geläutert wieder in Dich auf, wir alle sind durch alle Flammen nun gegangen, sind geprüft und Phönixe allesamt, werd nun auch Du Phönix, geh durch Dich selbst!
A n i m u sWertes Publikum, zu Zeugen aufberufen! Wir sind nicht am Ende, wir sind am Anfang hier! Zwar steigt man nicht zweimal in den selben Fluß, doch der Fluß ist doch Fluß noch und auch man selbst trägt noch denselben Namen! Als der, der ich jetzt bin, Euch meinen Gruß! Ab.
A u c t o r Es ist, als würd ich zum ersten Male wirklich schaun, es ist so still, keine wirren Gedankenstränge verknoten sich in mir, ich stehe nur und schaue. Blickt Anima an, nimmt ihre Hand und steht auf. Sie treten gemeinsam durch den Spiegel. Das Bühnenlicht erlischt vollständig. Sie haben je eine Kerze, und entzünden sie, um langsam abzugehen, sich aufmerksam umschauend.
Copyright by Norman Liebold, 2001
Erschienen in: Liebold, Norman: Dramen. Bühnenwerke 1997-2001. Siegburg 2003.
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[Norman Liebold,
06.05.2001 |
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