Von Norman Liebold geschrieben am: 23.01.2008 unter Auszug, Dichterbrand, Kriminalistisches, Roman
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Auszüge aus: Liebold, Norman: Dichterbrand. Ein Siebengebirgs-Krimi. Königswinter 2008. Fünfzehntes Kapitel[Aus der Sicht Frida Wühlscheids] Dieser Privatdetektiv spielte sich ganz schön auf, fand Frida. Er ging mit dem Besitzer des Campingplatzes keine drei Meter an ihr vorbei, nur die Hecke war dazwischen. „Wir haben ihn, Herr Wehner, wir haben ihn, und ich wage darauf zu schwören, dass er noch vor morgen Abend so hilflos in unserem Netz flattern wird wie einer seiner eigenen Schmetterlinge!” Seine Stimme hatte wieder diesen seltsam gehobenen Ton, den sie überhaupt nicht leiden konnte. „Schmetterlinge?” fragte der Wehner zurück.
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Von Norman Liebold geschrieben am: 23.01.2008 unter Dichterbrand, Kriminalistisches, Roman
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Auszüge aus: Liebold, Norman: Dichterbrand. Ein Siebengebirgs-Krimi. Königswinter 2008. Elftes KapitelHerr Wehner hatte Recht gehabt: Quirin kam nicht um das Essen herum. Es war viel und überaus gutbürgerlich und als er sie schließlich verließ, brauchte er dringend einen Verdauungsspaziergang – der Bauch spannte ihm nicht nur, er schien alle verfügbare Energie zusammen zu ziehen, um zu verdauen – seine Gedanken krochen träge durch seine Gehirnwindungen. Mit langsamen Schritten ging er an der Weide der Wehners hinunter zum Spielplatz. Die letzten fünfzig Meter bis unter die Eichen mit der verbrannten Erde darunter ging er noch langsamer. Am Rand des Aschehaufens blieb er stehen und stopfte die Hände tief in die Taschen. Das Gras rings um die Brandstelle war zertreten, Zigarettenstummel lagen umher, das Papier eines Schokoriegels, und man hatte offensichtlich in den Resten von Beckmanns Wohnstatt herum gescharrt. Quirin musste an eine Horde nach Aas stöbernder Hyänen denken.
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Von Norman Liebold geschrieben am: 23.01.2008 unter Dichterbrand, Roman
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Auszüge aus: Liebold, Norman: Dichterbrand. Ein Siebengebirgs-Krimi. Königswinter 2008. Fünftes KapitelEs ging mittlerweile auf Mittag zu, aber weder war es merklich heller noch spürbar wärmer geworden. Dieser Tag schien aus dem späten November ausgeliehen worden zu sein. Der Nebel hatte sich noch mehr verdichtet und unablässig nieselte es. Es hatte etwas vom Spaziergang eines Melancholikers – um so mehr, als dass das erklärte Ziel war, auf einem Friedhof herumzukriechen. Wobei es wahrscheinlich weniger im Sinne eines melancholischen Gemütes sein dürfte, dort nach Zigarettenstummeln suchen zu wollen. Quirin fragte sich, ob er diese Idee nur deshalb hatte, weil Sherlocks besondere Kenntnisse in Sachen Tabakasche sprichwörtlich waren. Was brachten ihm die besterhaltendsten Kippen? Er hatte lediglich eine literaturwissenschaftliche Abhandlung über eine fiktive Romanfigur geschrieben. Dass deren Erfinder ihr zugestanden hatte, diesem Thema einige Aufmerksamkeit gewidmet und eine kleine Monographie über die Asche von einhundertundvierzig verschiedenen Arten von Pfeifen-, Zigarren- und Zigarettentabak geschrieben zu haben, ließ Quirin wahrscheinlich nicht viel intelligenter auf Aschehäufchen schauen als Watson. Mochten sie nun hellgrau und locker-fluffig sein oder schwarz und bröckelig. Mal ganz abgesehen davon, dass heute höchstwahrscheinlich der selbe Kram in sämtlichen Filterhülsen steckte: parfümiert, gefärbt und mit suchterregenden Stoffen vollgepumpt ebensosehr richtige Tabakblätter wie die Erdbeeren im Erdbeerjogurt richtige Erdbeeren waren – und nicht meistenteils entfärbte und mit künstlichen Aromen versehene Apfelstückchen. Wenn man sich noch die Mühe gab, überhaupt Fruchtfleisch hineinzutun. Naja, wenigstens druckte man ja den Namen der Marke auf das Filterpapier.
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Von Norman Liebold geschrieben am: 23.01.2008 unter Auszug, Dichterbrand, Kriminalistisches, Roman
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Auszüge aus: Liebold, Norman: Dichterbrand. Ein Siebengebirgs-Krimi. Leipzig 2008. Zweites Kapitel„Darf ich Ihnen den Mantel abnehmen?” Die Frau – Ende Fünfzig, Anfang Sechzig – wirkte noch aufgelöster als am Telefon. Irgendwie gelang es Quirin, sie aus dem nassen Mantel zu schälen und ins Wohnzimmer zu komplimentieren. Sie mit dampfender Teetasse in den Sessel zu bugsieren, hatte etwas davon, ein aufgescheuchtes Huhn in den Stall zurück zu bekommen. Nicht ohne einen gewissen Stolz registrierte er, wie die Atmosphäre seines Wohnzimmers ihre Wirkung tat: Das angenehm weiche Licht der Öllampen, das Knistern des Feuers im Ofen, die gediegene Einrichtung. Die Frau entspannte sich langsam und streckte nach einer kleinen Weile die Füße gegen den Ofen hin aus, ohne sich dessen recht bewusst zu sein.
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