Von Norman Liebold geschrieben am: 12.05.2008 unter Auszug, Gläserner Sarg, Kriminalistisches
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Leseprobe aus: Erstes KapitelWenn es heiß genug wird, verlieren Verbote ihre Bedeutung. Selbst in Deutschland. Wobei im Rheinland die dafür notwendige Temperatur gemeinhin etwas niedriger ausfällt als anderswo. Vielleicht liegt das in der alljährlichen Erfahrung, dass vor der Fastenzeit Anstandsregeln ebenso wie geschriebene und ungeschriebene Gesetze für einige Tage ausgehebelt werden können, ohne dass das Weltgefüge in sich zusammen oder der Himmel einem auf den Kopf fällt. Verordnungen jeglicher Art dürften infolge dessen hier auch den Rest des Jahres einige Schwierigkeit haben, sich für unumstößliche Naturgesetze zu verkaufen. Wie heiß es in anderen Regionen Deutschlands her gehen muss, damit Verbote ihr Gewicht verlieren, mag von Fall zu Fall verschieden sein. Im Rheinland – speziell im Siebengebirge – liegt die notwendige Temperatur bei ziemlich genau Zweiundreißig Komma fünf Grad Celsius im Schatten. Wobei nicht vergessen werden darf, dass die sieben Berge von je her eine etwas heißere Gegend sind als andere. Nicht etwa, weil in ihren Klüften und Spalten einst der Lindwurm feuerspeiend umher kroch, den jung Siegfried erschlug. Nicht etwa, weil nicht weit davon entfernt die Alliierten mit dem Wunder von Remagen den Rhein überwanden und ein neues Kapitel der deutschen Geschichte begannen. Und ganz bestimmt nicht, weil direkt gegenüber jenes Provinzstädtchen vor sich hin träumt, das infolge des erwähnten Wunders von Remagen einundvierzig Jahre lang Hauptstadt genannt worden war. Sondern, weil es hier von Anfang an magmatisch heiß im Untergrund brodelte, um eruptiv lavasprotzend diesen ältesten Naturpark Deutschlands und in Bälde kleinsten Nationalpark Europas in unzähligen Vulkanen und Vulkänchen auf der Schäl Sick empor zu pressen und das zu schaffen, was Alexander von Humboldt zu dem enthusiastischen Ausruf verführte, dieses Panorama sei das achte Weltwunder.
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[Norman Liebold,
12.05.2008 |
Von Norman Liebold geschrieben am: 07.05.2008 unter Auszug, Gläserner Sarg, Kriminalistisches
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Leseprobe aus: Achtes Kapitel“Fünfundzwanzigtausend?” Die Augen des jungen Bankangestellten weiteten sich, ehe er seine Überraschung unter Kontrolle und das freundliche Automaten-Gesicht wieder auf seinen Schädel bekam. “Richtig, junger Mann: fünfundzwanzigtausend. Bar. Ob die Scheine durchgehend nummeriert sind oder nicht, ist mir gleichgültig.” Bauer Rowedder grinste mit blendend weißem Gebiss. Er war sich durchaus der Wirkung bewusst, die ein Bauer in Gummistiefeln und Arbeitskluft machen musste, wenn er mit Siebentagebart im Gesicht eine solche Summe abzuheben wünschte. “Sie scheinen mich nicht zu kennen – holen Sie doch einfach Herrn Rudolfs, Ihren Chef.” Der junge Mann – offenbar ein Azubi – nickte und trottete davon. Kurze Zeit später kam graumeliert im Maßanzug der Filialleiter der Raiffeisenbank Oberpleis herangeeilt. Er rief schon drei Meter, bevor er heran war: “Herr Rowedder, bitte verzeihen Sie!” Während er ihm mit dem leutseligsten, freundlichsten Bankiers-Lächeln die Hand schüttelte, erklärte er, dass der Azubi natürlich die allergeschätztesten Kunden noch nicht kenne und bat noch einmal um Verzeihung – wobei sein Bankiers-Lächeln neben all der überquellenden freundlichen Zuneigung einen Hang ins Schmierige bekam. Er bedachte den jungen Mann mit einem ausgesprochen ermahnenden Blick und tönte: “Das ist Herr Rowedder, einer der geschätztesten Kunden der Raiffeisenbank Oberpleis, merken Sie sich das!” Er wandte sich wieder Bauer Rowedder zu. “Kommen Sie doch bitte in mein Büro, Herr Rowedder, möchten Sie einen Kaffee?”
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[Norman Liebold,
07.05.2008 |