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Auszug aus: Liebold, Norman: Incubus. Siegburg 2003.
aus dem 3.Teil: “TEUFELSBRUTâ€, 2. Kapitel (Seiten 110-115) | Leseprobe als PDF
Daß Hieronimus am Morgen zur Kapelle kam, um Caper sein Frühstück und die Arbeiten des Tages zu bringen, war nichts Besonderes, denn nach wie vor war Hieronimus Capers Älterer. Wenn jedoch anstatt Hieronimus Franziskus oder Markus gekommen wären, nähme unsere Geschichte vielleicht einen anderen Verlauf.
Wir kennen ja mittlerweile alle Hieronimus, nicht wahr?Was lacht Ihr da? Macht Ihr Euch über ihn lustig? Nein, das Lachen ist ganz und gar nicht angebracht, Hieronimus hat zwar später noch etwas getan, das schreckliche Konsequenzen hatte, und er mochte ein wenig eigenartig sein mit seinen paranoiden Anwandlungen, aber er war ein gebildeter und gutherziger Mann. Aber als er die Tür der Kapelle öffnete, und ihr Inneres caperlos vorfand, wurde ihm ganz anders zumute, schließlich waren starke Eisengitter mit kaum fünf Zentimeter Abstand vor den schießschartengroßen Fenstern in fünf Metern Höhe, und der einzige Ausgang war mit einem festen, eisernen Schloß versehen, in dem er den Schlüssel zwei Mal gedreht hatte am gestrigen Abend, und das nach wie vor verschlossen war. Er stellte das Tablett mit dem Wasserkrug und dem Viertellaib Brot ab und schaute sich um. Das Bett war unbenutzt, der Eimer, auf den er selbst die Doppelnull mit kalligraphischer Sorgfalt aufgebracht hatte, ebenso, und der Wasserkrug stand unangetastet in der Ecke. Hieronimus fürchtete gewiß das Schlimmste, vielleicht, daß Caper vom Teufel geholt worden war oder dergleichen. So drehte er sich um, um eiligen Schrittes zum Abt zu streben, der um diese Zeit im hinteren Teil des Parkes seinen botanischen Kräuterschatz zu hegen pflegte.
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