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Minnesänger-Komplex

Der Minnesänger-Komplex

Von Norman Liebold geschrieben am: 12.05.2003 unter Auszug, Kunstmärchen, Minnesänger-Komplex, Volltext

Folgende Geschichten aus dem Minnesänger-Komplex können Sie hier lesen:

  • Mond und Wolf (Vertonung)
  • Mensch und Katze (1999)
  • Fisch und Schwalbe (2000)
  • Der Wolf im Zirkuswagen (2000)
  • Der Wolf im Garten (2000)
  • Der Minnesänger-Komplex
  • Der Denker (1997)
  • Das verborgene Land (1999)
  • An das Prinzesschen (2000)

  • Fisch und Schwalbe (1998)

    Einstmals schwamm ein Fisch, wie es die Art der Fische ist, in einem kleinen schlammigbraunen Teich. Er schwamm darin vom Morgen bis zum späten Abend, und sein Liebstes war es, ganz nach Oben hinaufzuschwimmen, zu jenen glänzend-silbernen Spiegel, hinter dem das Blau so unendlich strahlte. Und wie er einmal in das Blau geschaut, da sah er eine Schwalbe darin fliegen. Das Blau zerteilte sie mit den schlanken Flügeln, wie er, der Fisch das Wasser mit den Flossen – und von diesem Augenblicke an liebte der Fisch die Schwalbe.
    Als der Herbst nun kam das erste Mal, flog die Schwalbe in den Süden, und der Fisch, sehnsuchtsangesengt, vergrub sich in den Schlamm des Teiches. Er träumte von der Schwalbe den ganzen Winter lang, und wie er träumte, da stand ihm klar vor Augen: Die Schwalbe könnte nie bei ihm sein, und er nicht bei der Schwalbe: Sie ertränke in seiner Welt, und er erstickte in der Ihren.

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    [Norman Liebold, 12.05.2003
    Auszug, Kunstmärchen, Minnesänger-Komplex, Volltext
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    Mond und Wolf (Vertonung)

    Von Norman Liebold geschrieben am: 06.05.2000 unter Ganze Geschichten, Minnesänger-Komplex, Prosalyrismen, Spezielles, Volltext

    Sommer 2000 erfuhr mein kleines Minnesänger-Komplexelchen “Mond und Wolf” eine Bearbeitung als Hörbuch. Dabei hauchte Ulrike Deppe dem Mond mit ihrem Gesang Leben ein, wölfisch sprach Robert Christott den Wolf, Dieter Bade klampfte und ich flötete ein wenig und grunzte die Erde. Es war ein Drei-Tages-Projekt, das sehr viel Spaß machte.

    - Mond, Gesang: Ulrike Deppe
    - Wolf: Robert Christott
    - E-Guitarre: Dieter Bade
    - Synthesizer: Ulrike Deppe, Robert Christott
    - Tontechnik: Florian Kaltenegger
    - Flöte, Erde, Regie, Text: Norman Liebold

    Trotzdem es nicht die Qualität hat, die es hätte haben können – weshalb es auch nicht mehr neu aufgelegt wurde – ist das Stück doch in seiner Weise irgendwie süß, weshalb ich es nicht vorenthalten möchte. Hier das vollständige Stück im mp3-Format. Die Tracks sind zu einem ZIP-File zusammengefaßt.

    Mond und Wolf herunterladen! >>> [2000_liebold_mond-und-wolf.zip, <24 MB]



    [Norman Liebold, 06.05.2000
    Ganze Geschichten, Minnesänger-Komplex, Prosalyrismen, Spezielles, Volltext
    Kommentare: Keine Kommentare » ]


    Fisch und Schwalbe (2000)

    Von Norman Liebold geschrieben am: 06.05.2000 unter Buch-Leseproben, Ganze Geschichten, Kunstmärchen, Minnesänger-Komplex, Podcast, Volltext

    Einstmals schwamm ein Fisch, wie es die Art der Fische ist, in einem kleinen schlammigbraunen Teich. Er schwamm darin vom Morgen bis zum späten Abend, und sein Liebstes war es, ganz nach Oben hinaufzuschwimmen, zu jenen glänzend-silbernen Spiegel, hinter dem das Blau so unendlich strahlte. Und wie er einmal in das Blau geschaut, da sah er eine Schwalbe darin fliegen. Das Blau zerteilte sie mit den schlanken Flügeln, wie er, der Fisch das Wasser mit den Flossen – und von diesem Augenblicke an liebte der Fisch die Schwalbe.
    Als der Herbst nun kam das erste Mal, flog die Schwalbe in den Süden, und der Fisch, sehnsuchtsangesengt, vergrub sich in den Schlamm des Teiches. Er träumte von der Schwalbe den ganzen Winter lang, und wie er träumte, da stand ihm klar vor Augen: Die Schwalbe könnte nie bei ihm sein, und er nicht bei der Schwalbe: Sie ertränke in seiner Welt, und er erstickte in der Ihren.
    Der Frühling kam, die Schwalben aus dem Süden, und die Fische aus dem Schlamm – aber der eine Fisch, der Sehnsuchtangesengte, der kam nicht mehr als Fisch aus dem Schlamm gekrochen: So sehr hatte sich die Sehnsucht in ihn eingegraben, daß sie ihn ganz und gar durchdrang, und eine jede seiner Fasern glühend machte und verschmolz: Aus dem Schlamm kam kein Fisch mehr, es kam ein Lurch gekrochen. Und als er nach oben schwamm, den Spiegel zerbrechend, der zwischen Himmel und Wasser war, da sah er die Schwalbe wieder am Himmel ihre Bahnen ziehen und kroch an Land. Da lag er nun, der Lurch, und schaute den lieben langen Tag den Kreisen der Schwalbe nach. Und wie sie, so sagte er sich, schnappte er nach Fliegen mit langer, klebrigschneller Zunge. Näher aber war er ihr nicht gekommen: Zwar atmete er nunmehr ihre Luft, fraß ihre Nahrung, allein sie schwebte nach wie vor dort oben, in langen Bahnen als kleiner schwarzer Punkt.
    Als der Herbst kam das zweite Mal, und der Lurch zum zweiten Mal hinabkroch in den Schlamm, da brannte wieder sein Herz von Sehnsucht, und wieder verschmolz dies Feuer seine Fasern. Und was im Frühjahr, als die Schwalben kamen, aus dem Schlamme sich befreite, das hatte Haare, warmes Blut und kletterte auf Bäume. Denn auf den Bäumen war es näher seiner Sehnsucht. Und den ganzen Sommer hockte es auf den Bäumen, doch der Schwalbe war es drum nicht näher. Es atmete die selbe Luft, saß auch, wo sie manchmal saß, die Schwalbe, aber mehr als mit den Augen verfolgen konnte es sie trotzdem nicht.
    Und wie der Herbst kam das dritte Mal, und der Affe auf dem Baume den Schwärmen nachschaute und sich fragte, wohin sie denn gingen, da ward der Wunsch groß in ihm, daß er sie doch verstünde. Daß er sie erlange, dies glaubte er nimmer mehr: Sie war die Ewig Ferne, doch verstehen, verstehen wollte es sie nur zu gern. Und auch dieser Wunsch wurde zu einer Glut, die seine Fasern verschmolzen um ein Wenig mehr.
    Als der Frühling kam, und er das Aug aufschlug nach langen Schlaf, da schauten graue Augen hell in den Himmel auf, und ein Mensch saß in den Bäumen. Er stieg hinab und sah den Schwalben zu, und kaum mehr Sehnsucht regte sich in ihm, nur eine kühle Heiterkeit. Und er fing mit seinen Händen ein paar Fliegen, hielt sie hinauf in den Wind und ahmte nach das Schwalbenschreien. Und vom Himmel herab kam geflogen jene kleine Schwalbe und umkreiste ihn, und er spiegelte sich in den schwarzen Schwalbenknopfäuglein.
    Und schließlich ließ sie sich nieder auf seiner Hand. Der Mensch betrachtete das Tier, freute sich ein wenig an den Äugelein, den Schwarzen, an dem Beben des kleinen Herzens in der gefiedert Brust, und die Schwalbe saß und fraß von seinen Fliegen. Und als vorüberflog ein anderes Insekt, und die Vogelaugen sich drauf bannten, da lächelte der Mensch ein wenig weh, ließ sie fliegen und ging seine eignen Wege, einsam, denn er war nicht länger Fisch unter Fischen, und Menschen gab es in diesen Zeiten noch nicht oder schon nicht mehr.


    Copyright by Norman Liebold, 2000
    Erschienen in: Liebold, Norman: Der Minnesänger-Komplex. Siegburg 2003.




    [Norman Liebold, 06.05.2000
    Buch-Leseproben, Ganze Geschichten, Kunstmärchen, Minnesänger-Komplex, Podcast, Volltext
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    Der Wolf im Zirkuswagen (2000)

    Von Norman Liebold geschrieben am: 06.05.2000 unter Buch-Leseproben, Ganze Geschichten, Kunstmärchen, Minnesänger-Komplex, Prosalyrismen, Volltext

    Verehrte Damen und Herren,
    die Ihr hier steht und in meinen Käfig glotzt!
    Wundert Euch nicht,
    daß ich zu Euch spreche,
    ich spreche auch nur, wenn’s wichtig ist!

    Ihr seid hierher gekommen,
    Euch den Wolf anzuschauen, im Zirkuswagen,
    und nun also steht Ihr hier
    und seht mich, den Wolf, im Zirkuswagen.
    Daß er noch spricht, ha, zusätzliche Attraktion!

    Mein Leben neigt sich,
    wie jedes Leben irgendwann einmal,
    dem Ende zu, und also ist es Zeit,
    daß ich Klarheit schaffe
    und so reingewaschen zum Mond aufsteige.

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    [Norman Liebold, 06.05.2000
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    Der Wolf im Garten (2000)

    Von Norman Liebold geschrieben am: 06.05.2000 unter Buch-Leseproben, Ganze Geschichten, Kunstmärchen, Minnesänger-Komplex, Podcast, Prosalyrismen, Volltext


    Der Wolf im Garten, gelesen von Autor


    Wave Gotik Treffen 2003, Cinestar Leipzig

    Die Ihr mich hier hocken seht,
    hier, in dem kleinen Garten,
    sagt an, was glaubt Ihr, das ich’s bin?
    Ein Hund wohl, wie?
    Nun, ich glaub es schon fast selber!
    Ich sag Euch: Ich bin kein Hund,
    war niemals einer und werd niemals einer sein,
    ich bin ein Wolf, jawohl,
    frei geboren und bis vor kurzem
    ein wilder StreunerIhr seht, nicht wahr,
    den Zwinger stehn dort drüben,
    groß und hoch mit Eisenstäben,
    Ihr seht den Zaun ringsum, mich im Garten,
    und denkt Euch: Der ein Wolf?
    Ich will es Euch erzähln,
    habt acht, ich erzähl Euch was!
    Dies ist meine Geschichte,
    nicht irgendeine, sondern die vom Wolf,
    der den Hund markiert aus Liebe!Es ist gar nicht so lang her,
    da war ich, wie gesagt, ein Streuner,
    und ich sage Euch, ein wilder Solcher,
    war, was man durchaus nennen kann
    ein Grauer Einzelgänger-Wolf.

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    [Norman Liebold, 06.05.2000
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    An das Prinzesschen (2000)

    Von Norman Liebold geschrieben am: 05.05.2000 unter Buch-Leseproben, Ganze Geschichten, Minnesänger-Komplex, Prosalyrismen, Volltext

    Hochgeschätztes Prinzesschen,
    Euer ergebener Diener ist sich seiner Dreistigkeit bewußt,
    Euer Durchlaucht mit dieser Schrift zu behelligen,
    allein, es ist zu fürchten,
    daß ihm, untertänigst sich verbeugend,
    keine andere Wahl offen dünkt.

    Gewiß seid Ihr mit unendlich wichtigeren Dingen beschäftigt,
    Euer Aug und Eure Gedanken anzustrengen,
    als diese Schrift und Euer untertänigster Diener
    sich interessant zu sein erdreisten könnten,
    doch sie bitten darum,
    daß Euer Blick kurz darauf verweilt.

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    [Norman Liebold, 05.05.2000
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    Mensch und Katze (1999)

    Von Norman Liebold geschrieben am: 06.05.1999 unter Ganze Geschichten, Minnesänger-Komplex, Volltext

    Als der Mensch jenes Kätzchen traf, und das Kätzchen jenen Menschen, da war etwas zwischen ihnen, ohne Frage, und vielleicht war es echt, und vielleicht war es stark.
    Den Menschen fand man einige Zeit später ertrunken im Flusse treiben, und an seine Brust gedrückt, als wollte er es beschützen, fand man auch das Kätzchen. Das aber war nicht ertrunken, sein Schädel war zerschmettert wie von einem schweren Schlag.
    Als der Mensch jenes Kätzchen traf, weiß mit schwarzen Pfötchen, da blieb er stehen und schaute zu, wie es geduckt im Grase schlich und nach Schmetterlingen jagte. Er hockte sich nieder und ein Lächeln war ihm im Gesicht. Das Kätzchen roch etwas, oder sah es aus dem Augenwinkel, und wie es herüberäugte, sah es den Menschen dort hocken, und da war etwas zwischen ihnen, und vielleicht war es echt, und vielleicht war es stark. Der Mensch wünschte sich zu streicheln, das Kätzchen, daß man es streichle, dergleichen geschieht zuweilen so.

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    [Norman Liebold, 06.05.1999
    Ganze Geschichten, Minnesänger-Komplex, Volltext
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    Das verborgene Land (1999)

    Von Norman Liebold geschrieben am: 05.05.1999 unter Buch-Leseproben, Ganze Geschichten, Minnesänger-Komplex, Volltext

    Einst lag in tiefverborgnem Tal zwischen kalter Felsengrate Sturmeswind ein Land, das war über und über mit Blumen bewachsen, blühenden Sträuchern und ehrwürdigen Bäumen. Das Land wollte sich verschenken, ein Lächeln machen, wenn es jemanden darin ruhen ließ, bienenumsummt, duftumwogt, von Vögeln besungen. Es ließ viele ein, und sie alle rissen Blumen aus und wälzten sich wollüstig in den Sträuchern, brachen die Äste der Bäume für ein Feuer und gingen wieder, wenn sie müde worden.

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    [Norman Liebold, 05.05.1999
    Buch-Leseproben, Ganze Geschichten, Minnesänger-Komplex, Volltext
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    Der Denker (1997)

    Von Norman Liebold geschrieben am: 06.05.1997 unter Buch-Leseproben, Ganze Geschichten, Minnesänger-Komplex, Prosalyrismen, Volltext

    Zu erzählen habe ich im Sinn
    Die Geschichte eines Dummen,
    Der selbst von sich geglaubte,
    Daß er ein großer Denker wär.

    “Es gibt solche, die sehen”,
    So sprach er immer,
    “Und solche, die sind blind.”
    Ja, mehr noch, es ist, Ha!
    Daß er selbst zu sehen meint.

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    [Norman Liebold, 06.05.1997
    Buch-Leseproben, Ganze Geschichten, Minnesänger-Komplex, Prosalyrismen, Volltext
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